Vor 75 Jahren kamen die Karmelitinnen nach Bütgenbach

66. Karmelfest im Kloster Jungfrau der Armen

Vor 75 Jahren kamen die Karmelitinnen nach Bütgenbach
Als Flüchtlinge trafen am 4. Juli 1941 sieben Karmelitinnen in Bütgenbach ein. Ihr Mutterhaus, das Karmelkloster Pütz­chen bei Bonn, war von den Nazis auf­gelöst worden. Die im Bütgenbacher Krankenhaus tätigen Vinzentinerinnen boten den Flüchtenden ein neues Zuhause. Nach Kriegsende wollten die Karmelitinnen in ihr altes Stammhaus zurückkehren. Auf Anfrage und auch auf leichten Druck von offizieller Seite ließen sich die Schwe­stern aber bewegen, in der Nordeifel einen neuen Karmel zu gründen. Zu­nächst bezogen sie das Haus von Paul Alard in der Büllinger Straße.

Im August 1945 wurde dort der Karmel unter der Bezeichnung „Jungfrau der Armen“ gegründet, und vor 70 Jahren, am 1. März 1946 lag die offizielle Genehmigung aus Rom vor.  Die Weihe an die Jungfrau der Armen lag nahe, war doch in jener Zeit die Armut in der Eifel stark ausgeprägt. Es war damals der kleinste Karmel auf der Welt. Der damalige Lütticher Diözesanbischof, Louis-Joseph Kerkhofs, sprach bei der Einweihung des neuen Karmels: „Dass ihr jetzt arm seid, das sieht man, sorgt dafür, dass ihr auch arm bleibt.“

Da das kleine Haus keine Ausbaumöglichkeiten bot, um weitere Schwestern zu den sieben Gründerinnen aufzunehmen, wurde den Schwestern im Jahr 1948 nahe gelegt, die noch vom Krieg zerstörte, einst preußische Staatsdomäne zu übernehmen. Das frühere Verwaltungsgebäude der Domäne Bütgenbach war durch den Krieg stark beschädigt worden, so dass die Instandsetzung nur mit breiter Hilfe der gesamten Bevölkerung möglich war.  Eine breit angelegte Hilfsaktion wurde gestartet, um dieses Anwesen in einen Karmel umzuwandeln.  Ein Teil des Hauses wurde von der Klausur der Schwestern für die Pforte abgetrennt, um zur Kapelle und  Sakristei, zu Sprechzimmern, Wohnräumen für Priester, Pförtnerin und den auswärtigen Gästen zu werden.  Im Jahr 1949 konnten die Schwestern in feierlicher Prozession von Bütgenbach heraufziehen. Der Bischof nahm am 8. Dezember die Weihe des Altares sowie die Segnung des Hauses vor. Dann wurde am 6. Januar 1950 die Klausur endgültig geschlossen.

Doch der Bau reichte für ein geregeltes Ordensleben nicht aus und belastete zudem die Gesund­heit der Schwestern. So kam es 1973/74 zu einem Anbau.  Und nochmals sollten die Schwestern die Mühe eines Baus auf sich nehmen. Am 16. Mai 1980 wurde mit der Ausschachtung zum Kapellenbau begonnen. Und wieder waren es freiwillige Helfer, die sich nach Feierabend an den Bauarbeiten beteiligten. Am 27. September 1981 folgte schließlich die Weihe des Altares und der Kapelle durch Bischof Wilhelm-Maria van Zuylen.

Da der Nachwuchs fehlte, wurde am 1. Dezember 1985 der Karmel nach 40 Jahren offiziell geschlossen und das Gebäude den Franziskanerinnen von der hl. Familie überantwortet, die seit 30 Jahren versuchen, die Tätigkeit der Karmelitinnen fortzusetzen.  

  Fotos vom Karmelfest 2016

 

Vor 75 Jahre trafen sieben Karmelitinnen in Bütgenbach ein

Vor 35 Jahren wurde die neue Kapelle eingeweiht

66.Karmelfest

im Jahr der Barmherzigkeit im Franziskanerinnen-Kloster Bütgenbach

Größer als unser Herz

Sonntag, 17. Juli

8.00 Uhr: Eucharistiefeier  mit den Kirchenchören St.Stefanus u. St.Odilia, Bütgenbach-Berg (Ltg. Christian Schumacher)

15.00 Uhr: Segensandacht mit Predigt

19.00 Uhr:  Schlussandacht mit den Jagdhornbläsern (Leitung: Toni Pothen)

 

Vor 75 Jahren kamen die Karmelschwestern in Bütgenbach an

Der Karmel Unserer Lieben Frau der Armen in Bütgenbach

 

Gerade die Entstehungsgeschichte des Karmels ist so eigenartig, dass sie wohl verdient mal hier kurz erzählt zu werden. Denn wir ahnen in ihr eine Führung und eine Fügung Gottes.

Vor 75 Jahren, am 12. Juli 1941 kamen sieben Karmelschwestern nach Bütgenbach. Einige Tage zuvor waren sie aus ihrem Kloster in Pützchen bei Bonn-Beuel ausgewiesen worden. Die Ausweisung traf die Schwestern unvorbereitet. Die Provinzialoberin der Vinzenzschwestern in Köln-Nippes hatte das Angebot gemacht: Wenn Ihr Euren Kar­mel verlassen müsst, dann bin ich bereit, in zwei Klöstern der Vinzenzschwestern Euch Aufnahme zu gewähren! Diese bei­den Häuser waren Haardt bei Gladbach und Bütgenbach. Die Karmelgemeinschaft von Bonn wurde nun so geteilt, dass die eine Hälfte mit der Priorin nach Hardt ging, während die andere Hälfte mit der Subpriorin nach Bütgenbach kam.

In dem ziemlich geräumigen Kloster St.Josef von Bütgenbach wurde das oberste Stock­werk des Neubaus den Karmelitinnen zur Verfügung gestellt. Na­türlich konnte die kleine Karmelgemeinschaft hier nicht mehr ihr Eigenleben in Klau­sur und Abgeschiedenheit ganz leben. Sie wollte zudem Kloster nützlich machen, das ihr gastliche Aufnahme gewährt hatte. So waren die Schwestern auf die verschiedenen Posten verteilt: bei den Kranken, bei den alten Leuten, inder Küche, beim Kartoffelschälen, im Garten, und was so alles im Haus zu tun war.

So gingen die Jahre des Krieges da­hin, auch die schweren Tage der Winter­offensive 1944-1945, die Bütgenbach zum Frontgebiet macht und das Kloster zu einer Zufluchtsstätte. Die Karmelschwestern fühlten sich inzwischen heimisch in der Gegend. Sie hatten darum im Laufe der Jahre, aus luftiger Höhe ins Dorf und in die Gegend schau­end, schon mehrmals den Gedanken geäußert, ob sie nicht hier bleiben sollten.

Daran war aber im Ernst nicht zu denken. Die natürliche Entwicklung schien es eher mit sich zu bringen, dass sie in ihren alten Karmel zurückkehrten, der nach dem Krieg ihnen wieder offen stand. Alles war im Juli 1945 zu ihrer Abreise und Rückkehr nach Pützchen vorbereitet — da kam es ganz anders!

Ein erster   Wink   kam, ganz überraschend, von einer weltlichen Stelle: „Wollen Sie denn nicht hier bleiben?" Bei dem etwas scharfen Winde, der da­mals wehte, gleich nach Kriegsende, etwas ganz Unerwartetes. Bleiben, wa­rum nicht! Der Gedanke war ja oft genug aufgetaucht, aber seine Verwirk­lichung für unmöglich gehalten worden. Sollte er Wirklichkeit werden? Bleiben, ja, aber wo?

Da kam eine unerwartete Lösung: eine Familie bot als erstes, vorläu­figesHeim für unbestimmte Zeit ein Haus an der Büllinger Straße an. Sollte es also wirklich zu einem Karmelkloster kom­men? Die nötigen Schritte wurden unter­nommen undalles klappte Schlag auf Schlag. Am 4. September 1945 gab die welt­liche Behörde ihre Zustimmung. Am Tage darauf auch der Bischof von Lüttich, der es begrüßte, dass sich in Ostbelgien nun auch ein beschaulicher Orden niederlasse. Schließlich gab auch die inzwischen nach Pützchen zurückgekehrte andere Hälfte der Schwestern die Zustimmung zu der Teilung der Gemeinschaft und der Neu­gründung in Bütgenbach.

Nun ging es ans Planen, wie in dem angebotenen Einfamilienhaus ein Karmel eingerichtet werden könne. Wo ein Wille ist, ist meist auch ein Weg. Zwei kleine Räume im Erdgeschoß wurden als Altar- und Chorraum ausersehen. Die beiden anderen Räume im Erdgeschoß, der eine Werkraum und der andere Sakristei und Sprechzimmer. Im Obergeschoß wurden die Schlafräume eingebaut und ein Raum blieb für das Gemeinschafts­leben als Kapitelsaal, Speiseraum und Küche übrig. Der Plan war schnell gemacht, länger und schwieriger war die Ausführung gleich nach dem Krieg. Die Instandsetzung des Hauses zog sich län­ger hin, als zuerst erwartet. Schließlich, am 1. März 1946, war der Tag des Ein­zugs gekommen. An einem Herz-Jesu-Freitag war die Ausweisung erfolgt, an einem Herz-Jesu-Freitag sollte auch der Einzug erfolgen.

Der Karmel von Bütgenbach war ge­gründet und gab sich den Namen "Unsere Liebe Frau der Armen", weil dieser Titel in eine Gegend hineinpasste, die vom Krieg hart mitgenommen war. Einige Tage später, am 19. März 1946, am Fest des hl. Josef, erfolgte die Bestätigung der Stiftung durch den Papst.

So konnte die Karmelgemeinschaft ihr Eigenleben aufneh­men mit Chorgebet, Betrachtung und Arbeit in der Abgeschiedenheit des Klosters. Der Pater Provinzial, der hin und wieder von Brüssel herüber kam, musste immer herzlich lachen, wenn er in den „kleinsten Karmel der Welt" kam. Er meinte, das müsste auch der Pater General sich ansehen kommen! Auf einer Fir­mungsreise besuchte der Lütticher Bischof dieses Haus, und er ließ den Schwestern als Mahnung zurück: „Dass ihr jetzt arm seid, das sieht man, sorgt dafür, dass ihr auch arm bleibt.“

Inzwischen war die Gemeinschaft auch schon angewachsen und für zwei neu eingetretene Schwestern war ein Schuppen in zwei Zellen umgebaut worden. Es musste mit einem weiteren Anwachsen der Gemeinschaft gerechnet werden.  Auf die Dauer war das Haus in der Büllinger Straße also keine Lösung.

Da kam am 4. September 1948 ein Vorschlag. Die Gemeinde Bütgenbach erwirbt das Land der ehemaligen Staatsdomäne. Aber die ,,Villa", das ehemalige Verwaltungsge­bäude der Domäne, erwirbt sie nicht. Will der Karmel die Gelegenheit nicht ergreifen, dieses Haus mit einem Bering von über einem Hektar zu einem sehr günstigen Preis erwerben? - Große Aufregung in der kleinen Gemeinschaft! Sollen wir? Sollen wir nicht? Die Abgeschiedenheit des An­wesens spielte eine große Rolle. Als Antwort kam die Bemerkung: „Da verhungern wir ja, da findet kein Mensch uns." Eine Rolle spielt auch die Kaufsumme. Dazu die noch größere Summe, die notwendig sein wurde, um das Haus, das jahrelang ohne Bedachung war, keine Fenster und Türen mehr hat, wieder bewohnbar zu machen und außerdem, um es für seine neue Bestimmung umzubauen. Der Provinzial, der gerade in Chèvremont weilte, wurde eilends herbeigerufen. Er kam auch sofort mit einem Begleiter, dem bisherigen Prior von Chèvremont, der etwas vom Bauen verstand. Beide waren der Ansicht: „Schwestern, dass Ihr da überhaupt zögert, verstehen wir nicht. Ein solches Angebot wird Euch so leicht kein zweites Mal mehr gemacht werden."

Am 8. September tritt das Kapitel zu­sammen. Es beschließt, mehr äußerem Rate als innerem Antrieb folgend: „Wir nehmen das Angebot an." Am 15. Okto­ber 1948 wird der Akt in Malmedy unter­zeichnet.

Wenn wir die ganze bisherige Ge­schichte der Gründung überdenken, dann müssen wir fast zu dem Schluss kom­men, dass Gott seine Hand im Spiel hatte. Die Karmelschwestern lenkten nicht ihre Schritte nach hier, sie wurden nach hier gelenkt; sie beschlossen nicht hier zu bleiben - es wurden  ihnen  angeboten; sie kamen nicht auf den Gedanken, die­ses Anwesen zu erwerben - es wurde ihnen angeboten, fast aufgedrängt.

Ist es aber Führung und Fügung Got­tes, dass diese Stiftung erfolge, dann müsste wohl noch ein Zeichen in Erfüllung gehen, dass sich nun auch die Mittel einstellen, diese Gründung mög­lich zu machen.

Aus dem Mund von Leute hörte man den Gedanken: „Das Mutter­haus wird schon helfen." Das Mutter­haus? Ein Karmel hat kein Mutterhaus wie andere Genossenschaften! Jeder Kar­mel ist eine Familie für sich und auf sich angewiesen. Es hieß dann: „Es wird sich wohl eine reiche Familie finden..." Wenn bis dahin gewartet würde, könnte die Zeit bis zur Gründung noch lange dauern.

Ein Karmel in der Eifel und für die Eifel. Und damit wurde eine breit angelegte Hilfsaktion in der Eifel gestartet, um dieses Anwesen in einen Karmel umzuwandeln. Die Bevölkerung selber, d. h. viele, viele zupackende Hände haben den Karmel gebaut. 

Also nicht ein nicht bestehendes Mutterhaus, auch nicht eine begüterte Familie aus dem Landesinnern, sondern die Bevölkerung selber hat den Karmel gebaut.

Seitdem wurde dieses Haus im wahrsten Sinne des Wortes: "Unser Karmel".  Und diese Verbundenheit mit "unserem Karmel" ist bis heute geblieben. 

1949 konnten die Schwestern in feierlicher Prozession von Bütgenbach heraufziehen. Der Bischof nahm am 8. Dezember 1949 die Weihe des Altares sowie die Segnung des Hauses vor. Dann wurde am 6. Januar 1950 die Klausur endgültig geschlossen. 

Im Jahr 1973/74 kam es zu einem Anbau, wiederum durch die Bevölkerung.  Sechs Jahre später, am 16. Mai 1980 wurde mit der Ausschachtung zum Kapellenbau begonnen. Und wieder waren es freiwillige Helfer, die sich nach Feierabend an den Bauarbeiten beteiligten. Vor genau 35 Jahren, am 27. September 1981, folgte schließlich die Weihe des Altares und der Kapelle durch Bischof Wilhelm-Maria van Zuylen.

Der Karmel ist also seit seiner Gründung im vollsten und wahrsten Sinne des Wortes: "Unser Karmel!"

Da der Nachwuchs fehlte, wurde am 1. Dezember 1985 der Karmel nach 40 Jahren offiziell geschlossen und das Gebäude den Franziskanerinnen von der hl. Familie überantwortet, die seit 31 Jahren mit viel Einsatz versuchen, die Tätigkeit der Karmelitinnen fortzusetzen. 

 

Es läutete im Karmel

Es hatte sich längst in der Umgebung rundgesprochen: „Wenn die Karmelschwestern einmal in Not sind, dann läuten sie die Notglocke".

Nun läutete es im Karmel sehr oft: von morgens früh bis in den späten Abend hinein. Zum Chorgebet, zur Betrachtung, zur hl. Messe, zum Engel des Herrn. Da müsste eigentlich jemand schon sehr gut mit der Tagesordnung und den Gebräu­chen  im Karmel  vertraut  sein,   um    ein "Notläuten"  und   ein  gewöhnliches  Läu­ten  voneinander zu  unterscheiden.  Und es sei gleich gesagt: die Notglocke haben die Schwestern nie zu läuten brauchen, denn die Bevölkerung war immer zur Stelle.

Im Dezember 1950 hatte sich in Weywertz rundgesprochen: im Karmel haben die Schwestern die Not­glocke geläutet! Und am 8. Dezember zog die Oberklasse der Mädchen zum Karmel hin, der Not zu helfen. Schließlich meint­en die Jungen, dass sie auch könnten, was die Mädchen fertig gebracht. In der Tat kamen sie zwei Tage  später, noch reicher beladen als die Mädchen zum Karmel.

Es war aber ein Irrtum, aber ein verständlicher, wenn jemand am Karmel   vorbeikam und zu einer  unge­wohnten   Stunde  läuten hörte.   Aber es war ein „schöner Irrtum", denn er löste diese Aktion der Weywertzer Schulkinder aus, und er brachte  den Karmelschwestern eine nicht zu verachtende Hilfe. Was die Schwestern nämlich auf diese Art an Ausgaben für ihren Unterhalt sparten, hat mit dazu beigetragen, die Bauschuld abzutragen.  Selbst die Schafe und die Ziegen hatten ihren Anteil an dem Notläuten, denn den  Lebensmittelpaketen folgte  noch  Anhänger mit Heu und Stroh für sie. So hatte es doch nicht vergebens im Karmel geläutet!

 

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